Kind oder Karriere? Geld oder Leben? Luxushotel oder Campingplatz? Freizeit oder hinter den Blagen herräumen? Businessoutfit oder Brei auf der Bluse? Schicker Flitzer oder runtergerockte Familienkarre? Abendessen an der Promenade oder Nudeln mit Tomatensoße? Pumps oder Birkenstock?

Es scheint so, als müssten wir uns an einem Punkt in unserem Leben entscheiden: Wollen wir das Abenteuer Kinder wagen oder unsere Freiheit genießen? Als Mutter von zwei Mädels kennt ihr meine Entscheidung an dieser Stelle schon und was soll ich sagen, ich liebe sie! Immer! Was nicht bedeutet, dass es auch mal Tage gibt an denen ich mir wünschen würde es wäre anders. Zumindest für einen Tag, vielleicht einen halben, naja, es reicht auch eine Stunde oder mal in Ruhe duschen? Bitte? Im Ernst, ich möchte an dieser Stelle nicht fürs Kinderkriegen werben, das ist eine so persönliche Entscheidung, die darf jeder selber treffen (und mit den Konsequenzen leben).

Eines scheint aber eben überhaupt nicht zusammenzupassen: Geld und Kinder. Denn wenn man Kinder hat, so muss doch mindestens ein Elternteil malochen bis zum umfallen um den 3 Wochen Italienurlaub im Sommer finanzieren zu können während der andere zuhause das Irrenhaus betreut und sauber hält. Gehen sogar beide Eltern arbeiten werden die Kinder dann fremdbetreut (oha, ganz schlecht für die Bindung der Kleinen!), Einkaufen und Putzen werden auf den Feierabend geschoben. Ausflüge gibt es dann zusammen mit den Millionen anderen Familien am Wochenende in überfüllten Kleinparks. Puh, wenn ich das alles vorher gewusst hätte…

HALT! Wer sagt denn, dass es so sein muss? Die anderen? Wer sind denn die anderen? Bevor ich mir den nächsten Ratschlag oder (nicht immer) gut gemeinte Bemerkung annehme habe ich mir mittlerweile angewöhnt zu gucken wo denn dieser Andere so steht in seinem Leben. Ist es eine Mutti, die ihre eigene Entscheidung zuhause zu bleiben rechtfertigen muss? Ist es der Kollege Anfang 20 der ein bisschen Erfahrung im Babysitten seiner Nichte hat? Oder ist der Andere schon eine Stufe weiter als ich? Arbeitet Teilzeit und baut nebenher sein Business aus? Ratet, wem ich lieber zuhöre, mir Tipps wünsche und meine Zeit schenke.

Wie ist das bei uns? Wir wollten Kinder haben. Als unsere Große dann da war wurde ich regelrecht gaga zuhause, das war einfach nichts für mich und ich hatte wahnsinnige Angst etwas zu verpassen! So bin ich nach einem Jahr Elternzeit im April wieder voll in meinen Job eingestiegen. Ich war noch im selben Jahr beruflich insgesamt 7 Wochen in Asien und diverse Tage für ein internationales Projekt in Europa unterwegs. Ich trug wieder Businesskleidung und unterhielt mich mit Erwachsenen. Ich bekam gute Spesen und eine Menge Anerkennung!  Doch soll ich euch was verraten: Das zusätzliche Geld war schnell ausgegeben und Ruhm und Ehre verblasst mit der Zeit. Und zuhause wuchs und gedieh meine Püppi ohne mich.

Lange Zeit dachte ich daher tatsächlich, dass es eine Entscheidung ist, also entweder oder. Entweder Kohle und Selbstverwirklichung oder Hausfrau und Mutti. Ich wusste jetzt, dass ich mit beiden Varianten unglücklich sein würde und wollte mich nicht damit abfinden. Das kam nicht von heute auf morgen sondern war ein Prozess, zunächst ein kleines zarte Störgefühl, etwas das mich traurig werden ließ wenn ich morgens zur Arbeit fuhr. Aber es wurde immer größer, es beeinflusste meine Arbeit und schließlich konnte ich nicht mehr. Mein Mann und ich führten lange Gespräche über die Arbeit, die Kinder, über ihn, über mich, über uns, über unsere Zukunft..

Und schnell wurde für uns eines ganz klar: Wir wollen finanzielle Unabhängigkeit trotz Kinder! Das muss möglich sein. Wir wollen für unsere Kinder da sein und ihre Kindheit miterleben ohne 40-Stunden-Woche! Wir wollen trotz Kinder schöne Orte bereisen und leckeres, gesundes Essen essen. Wir wollen das tun, was uns glücklich macht und mit den Dingen Geld verdienen, die uns Spaß machen.

Ich bin davon überzeigt, dass wir das hinbekommen! Ich wünsche mir, dass noch mehr Leute und Familien an diesen Punkt kommen an dem wir gerade stehen und ihre finanzielle Unabhängigkeit selber in die Hand nehmen. Wir fangen zusammen an! Wie sieht es bei euch aus? Seid ihr dabei? Ich freue mich über eure Kommentare, schreibt mir einfach!

Eure Judith