Der Wecker klingelt, es ist genau 4:00 Uhr morgens an diesem Samstag. Warum tut man sich das an? Denke ich kurz, eine grausame und unmenschliche Uhrzeit, noch dazu am Wochenende… Gegen 03:29 Uhr hatte ich schon mal aufs Handy geschaut, da war die Jüngste kurz wach und wollte ihre Milch. Am Vorabend hatten mein Mann und ich zusammen bis kurz vor 23:00 Uhr das Auto gepackt. Es war eine seeeehr kurze Nacht!

Aber egal, pünktlich wie verabredet saß ich mit meinen am Vorabend noch geschmierten Stullen und meiner Thermoskanne frisch gekochtem Kaffee in meinem vollbeladenen Auto am Straßenrand vor unserem Haus. Ich wartete darauf, dass hinter mir die Scheinwerfer meiner Freundin auftauchen würden. Ihr Auto war ebenso beladen, ihre Nacht nur unwesentlich länger, ihre Kinder waren schon etwas älter und schliefen durch. Ich nutzte die Zeit um noch etwas Make-up aufzulegen damit die Spuren einer praktisch nicht vorhandenen Nacht nicht allzu sichtbar sein würden.

Wo um Himmelswillen geht es denn hin?

Da wir gerade im Aufräumfieber sind, sammelt sich immer mehr Kram an der irgendwie noch gut ist aber von uns nicht mehr gebraucht wird. Die Kisten und Kartons füllen sich und um alles einzeln in Onlineauktionen einzustellen ist keine Zeit. Da erzählte mir meine Freundin eher zufällig, dass sie demnächst auf einen Flohmarkt wolle. Was für eine tolle Idee! Wart ihr schon mal als Verkäufer auf einem Flohmarkt? Ich fand, es klang irgendwie nach Abenteuer! Ich hatte sofort Bilder von mir selbst im Kopf auf denen ich feilschend vor meinem voll beladenen Stand stehe und mich vor Kundschaft kaum retten kann. Alle reißen sich um meinen Kram und sind bereit Höchstpreise zu zahlen! Ich habe mich ihr direkt angeschlossen.

Naja, zugegeben, mit dem Verkaufen hab ich es nicht so. Aber wo bekomme ich eine bessere Gelegenheit mal über meinen Schatten zu springen und einfach ein paar Ansätze auszuprobieren. Hey, im Zweifelsfall nehm ich halt alles wieder mit.

Vorbereitung – das musste alles mit

Tapeziertisch, den hat ja irgendwie jeder im Keller oder kennt zumindest jemanden der einen hat. Ich habe davon abgesehen mir einen schicken Neuen für knapp 40,-€ im Angebot zu kaufen und auf den alten, leicht klapprigen aus dünnen Spanplatten bestehenden Klapptisch zurückzugreifen der seit 4 Jahren bei der Schwiegermutter im Keller steht. Uuups…

Tischdecke, war für mich ein absolutes Muss! Dieser Tisch war einfach so hässlich, ich hätte da selber kein Teil von runtergekauft! Blöd nur, so richtig haben wir keine Tischdecken also habe ich Bettdeckenüberzüge mitgenommen, dass musste reichen.

Klappstühle, ein wertvoller Hinweis meiner Freundin. Irgendwann willst du an so einem Tag einfach nur mal sitzen. Also habe ich für uns beide zwei unserer Campingstühle eingepackt, die lassen sich flach zusammenlegen und sind schön leicht. Kleiner Spoiler an dieser Stelle, viel gesessen haben wir nicht!

Kleiderstange, die ich tatsächlich am Vortag noch besorgt hatte. Die Kleider der Mädchen und meine Jacken würde ich so besser präsentieren können. Außerdem hatte ich so etwas mehr Platz gewonnen, da diese nicht extra bei der Standgebühr abgerechnet werden.

Wechselgeld, vor allem Münzgeld hatte ich jede Menge dabei um liquide zu bleiben.

Bequeme Kleidung im Zwiebellook und bequeme Schuhe

Snacks, alles was einfach zwischendurch zu essen ist wie Müsliriegel, Banane und meine Stullen.

Kaffee!! #bedarfkeinerweiterenworte

Abenteuer Flohmarkt

Das Auto war gepackt bis oben hin, es konnte losgehen. Irgendwie wich auch die Müdigkeit einem Gefühl von Vorfreude und Aufregung. Das wird so mega werden! Heute verkaufe ich den ganzen Kram und mach auch noch ordentlich Kohle dabei! Katsching! Die Dollarzeichen hatte ich schon in den Augen.

Meine Freundin und ich waren gut in der Zeit, bekamen einen guten Standplatz und um uns herum herrschte geschäftiges Treiben. Die ersten Interessenten ließen auch nicht lange auf sich warten und guckten mit Taschenlampen schon unsere Kartons durch bevor wir diese auspacken konnten. Natürlich hatte ich zuhause nichts vorsortiert, alles war einfach so in Kartons gewandert und so herrschte an meinem Stand erstmal einfach nur Chaos.

Die nackten Tatsachen holten uns bald ein. Wie schnell mir bewusst wurde, dass wir auf unseren Ständen einfach NICHTS Besonders hatten. Nichts was aus der Masse herausstach oder womit wir auf uns aufmerksam machten. Kinderkleidung und -spielzeug, Umstandsmode, bisschen Markenklamotten die nicht mehr passten, nicht mehr getragene Schuhe von mir, Haushaltswaren, Bücher, elektronischer Kleinkram und eine ausrangierte Wohnzimmerlampe. Genau das hatte jeder 2. Stand auf diesem Platz! Sehr ernüchternd.

Dazwischen dann halbgewerbliche Verkäufer mit garantiert echten Uhren und Typen die einfach mal eine Waschmaschine neben 4 definitiv ausrangierten Korbsesseln und zwei gerade noch fahrtüchtigen Fahrrädern anboten.

Und die Kunden?

Freundliche Leute die nur ein Gespräch suchten oder nur mal gucken wollten. Leute die alles durchwühlen, über Preise zu Mädchenkleider feilschen, dann alles wieder hinlegen und einem erzählen ihre Tochter erwarte leider einen Jungen oder das einfach nichts dabei sei. Ein Pärchen das darüber diskutiert ob eine Korkröhre, ehemaliges Interieur in einem Hamsterstall, als Kerzenständer geeignet sei. Männer die für Ihre Frauen Schuhe kaufen wollen (sie hat normalerweise 37) und ernsthaft überlegen ob meine (Größe 39) nicht mit 2 Paar Socken passen würden. Schnäppchenjäger denen noch 1,50 € für ein nagelneues T-Shirt mit Preisschild zu viel ist und das Kleidungsstück ehrlich empört wieder zurücklegen und sofort gehen ohne weiter zu handeln.

Was hats gebracht?

Hier die schonungslose Auflistung meines Einkommens für diesen Samstag:

Einnahmen:                       62,70 €

– Standgebühr:                     21,- €

– Garderobenstange:          4,78 €

= Gewinn:                     36,92 €

Und am Ende die ganz ehrliche Frage an mich selbst: Hat es etwas gebracht? Monetär ganz klar, nein! Dazu brauche ich nicht den Stundenlohn ausrechnen. Aber ich bin jemand der ganz klar positiv eingestellt ist und immer auch etwas Gutes finden kann. Und so sehe ich es als Erfahrung die man in keinem Seminar kaufen kann. Ich bin über meinen Schatten gesprungen und habe verkauft. Dazu habe ich fremde Menschen in Gespräche verwickelt und versucht herauszufinden was diese Personen gerade gebrauchen können. Ganz oft hat es tatsächlich funktioniert und ich konnte meinen Gegenüber dazu bewegen doch noch ein Oberteil mehr mitzunehmen. Die Preise waren dabei Nebensache. Es schien mir sogar, als fühlten sich Viele verpflichtet etwas zu kaufen wenn man ein nettes Gespräch aufgebaut hat.

Mein persönliches Fazit, ich haben angefangen meine Sachen zu verkaufen sobald ich mich von dem Gedanken verabschiedet hatte, dass diese Sachen noch einen Wert haben und sei es nur ein persönlicher. Ich war bereit alles im 0,50  bis 2,00 € Bereich abzugeben und das waren die Preise die unsere „Kunden“ erwarteten.

Für Markenware werde ich doch nochmal die Kleinanzeigen oder das große Internetaktionshaus bemühen und der Kleidung hier nochmal eine Chance geben.

Werde ich es wieder tun? Ja, aber dann sehr zielegerichtet. Z.B. plane ich im September an einem großen Kinderkleidungsmarkt teilzunehmen, verkauft werden dann nur Kinderkleidung und -spielzeuge, vielleicht werde ich noch die ein oder andere Umstandsmode los.

Und zu guter Letzt hatten wir auch einfach eine Menge Spaß! So viele verschiedene Menschentypen auf einem Fleck, das war total interessant zu beobachten. Wir haben so viel gelacht und super nette Mitverkäufer kennengelernt die uns den ein oder anderen Tipp gegeben haben.

Was würde ich beim nächsten Mal anders machen?

Definitiv zuhause vorsortieren! Ich hatte alles so wie wir es beim Aufräumen in die Kisten gepackt hatten auch vor Ort wieder aus dem Auto geholt. Es hat mich eine ganze Menge Zeit gekostet mir zu überlegen auf welche Seite des Tisches ich welche Teile packe und musste immer wieder umräumen wenn dann in der nächsten Kiste doch noch weitere, thematisch passende Dinge auftauchten.

Vorher mit Leuten sprechen, die Erfahrung haben, vielleicht sogar regelmäßig auf einen Flohmarkt gehen. Freunde-/Bekanntenkreis, Facebookgruppen, sowas. Recherche wo und wann es gute, große Trödelmärkte gibt.

Spenden. Mal ehrlich, ganz viel Kram lässt sich auch einfach nicht mehr verkaufen. Dafür leben wir hier (zum Glück) doch auf sehr hohem Niveau.

 

Hast du schon Erfahrungen sammeln dürfen auf einem Flohmarkt? Hättest du ein paar Tipps für uns gehabt? Ich freue mich über dein Feedback und deine Anregungen, hinterlass mir gerne einen Kommentar.

Deine Judith